Europa Universalis III - Ein Ära geht zu Ende

Die Europa Universalis Reihe ist eines der, vielleicht sogar das Flaggschiffprodukt von Paradox Development Studios. Es ist ein Strategiespiel besonderer Art. Im englischen als „Grand-Strategy" bezeichnet, ins Deutsche am Besten als „Globalstrategiespiel" übersetzt, bedeutet dies, dass man alle Geschicke eines Volkes lenkt, von A wie Armee über F wie Forschung bis zu W wie Wirtschaft. Als erstes Spiel des Studios ist es inzwischen in seiner dritten Version mit aktuell vier Add-ons am Markt, und am 13. August wird Europa Universalis IV erscheinen.

eu3bild2Das Spiel umspannt (mit allen Add-ons) den Zeitrahmen von 1399 bis 1821 und fügt sich damit zwischen der Crusader Kings und der Victoria Reihe ein, ebenfalls Globalstrategiespiele von Paradox. Der besondere Fokus von Europa Universalis liegt auf den Möglichkeiten, in den Geschicken der Zeit ein Reich zu errichten, Amerika zu kolonialisieren, die Reformation zu bekämpfen oder zu akzeptieren und andere besondere Geschehnisse dieses Zeitalters zu erleben und manchmal auch blutig zu bekämpfen.

Historische Genauigkeit vs. spielerische Freiheit
Die Abwägung des Verhältnisses von historischer Genauigkeit des Spiels gegenüber der spielerischen Freiheit hat für Spiele dieser Art immer besondere Priorität. Paradox nimmt hier mit jedem Spiel den gefährlichen Spagat in Angriff und versucht die Geschichte in das Spiel einzubauen, aber den Spieler nicht in seiner Freiheit einzuschränken und ihn dazu zu verurteilen, einem Drehbuch zu folgen. So kann man mit jedem Land dem historischen Pfad folgen und wird hierbei auch ein wenig vom Spiel unterstützt. So sind die Missionen und Startbedingungen der Nationen meist an ihre Historie angelehnt, aber nichts hält den Spieler davon ab, zum Beispiel als England die Festlandbesitzungen in Frankreich einfach zu verkaufen und sich auf Amerika zu konzentrieren, anstatt hundert Jahre Krieg zu führen.

Spielerische Freiheit
Und genau diese Freiheit ist es, die Europa Universalis III zu einem bis heute sehr beliebten Spiel macht. Man kann jede noch so kleine Nation auf der Karte spielen, egal ob europäische Supermacht, asiatischer Kleinstaat, japanischer Daimyo oder sogar amerikanische Ureinwohner. Man kann Byzanz vernichten oder das alte römische Reich wieder auferstehen lassen, man kann einen deutschen Nationalstaat gründen oder das Heilige Römische Reich auflösen, die Möglichkeiten sind beinahe unbeschränkt, die Vielfalt der gezeigten Reiche im Paradoxforum sind davon stolzes Zeugnis.
Puppenspieler

Im Gegensatz zur Crusader Kings Reihe, in der man wirklich immer eine (wenn auch stetig wechselnde) Person spielt, ist man in Europa Universalis eine nichtexistente Instanz, die sämtliche Fäden im eigenen Reich zieht und sämtliche Entscheidungen trifft. Ein Herrscher existiert und wechselt auch mit der Zeit immer wieder, doch wird er nicht in das Geschehen eingreifen, nur seine Fähigkeiten beeinflussen Boni im Spiel.
Politik
Es gibt in EU III sämtliche Regierungsformen der Zeit, despotische und absolutistische Monarchien, Republiken und auch Stammesherrschaften in den mongolischen Horden Zentralasiens, die Europa bedrohen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile und müssen in ihren Eigenheiten beachtet werden und manchmal muss man auch den harten Weg gehen und die Regierungsform ändern, was jedoch zu großen Stabilitätsverlusten führt, die wiederum zu verringerten Steuereinnahmen, Wirtschaftseffizienz, höherem Revolentrisiko und anderen unschönen Dingen führen kann. Die Stabilität wird auch von anderen Ereignissen beeinflusst und ist umso schwerer zu erhalten, je größer das eigene Reich ist.
Neben der Regierungsform wird die Politik des Landes vor allem durch sogenannte Slider oder Schieberegler bestimmt. Diese stellen große Veränderungen im System und Denken des Landes dar und können deswegen nur über lange Zeiträume verändert werden .Sie bestimmen die Liberalität des Denkens, die Freiheiten des Volkes, die Fokussierung der Militärpolitik auf Armeen/ Flotten und vieles andere. Zusätzlich gibt es in weiten Abständen von manchmal mehreren Jahrzehnten die Möglichkeit, die Nation mit sogenannten nationalen Ideen zu lenken, die verschiedene Boni geben und die Ziele und Eigenheiten des eigenen Reiches verdeutlichen. Hierzu gehören Ideen wie eine Gottesdienstpflicht, die Mission, die neue Welt zu erkunden oder Wehrpflichtige. Auch die Möglichkeit, Berater zu beschäftigen, ermöglicht eine Beeinflussung der politischen Geschicke.eu3bild3

Wirtschaft und Forschung
Ökonomie und wissenschaftlicher Fortschritt sind in Europa Universalis III eng miteinander verzahnt. Das Einkommen addiert sich vor allem aus Steuer- und Produktionseinnahmen. Den Großteil des Haushaltes trägt anfangs meist die Steuer, später, vor allem mit dem Aufkommen von Manufakturen, wird Produktion jedoch immer wichtiger. Das Geld kann nun wieder über Schieberegler auf die verschiedenen Forschungszweige verteilt werden. Ist das Land instabil, kann man auch Geld zur Stabilisierung verwenden, ist das Geld knapp, kann man es auch direkt in die Staatskammer leiten. Doch aufgepasst: Dies erhöht die Geldmenge im Staat und führt damit zu Inflation, die vor allem langfristig katastrophale Auswirkungen haben kann.
Ist kein Geld mehr vorhanden, muss ein Darlehen aufgenommen und teure Zinsen bezahlt werden. Kann man das Darlehen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurückzahlen, wird es verlängert und damit verteuert. Doch irgendwann wird man kein Geld mehr erhalten, der Staat ist bankrott.
Die Forschung in EU III ist ein gradueller Fortschritt in fünf verschiedenen Feldern: Regierung, Produktion, Handel, Landheer und Marine. Jede Stufe hat verschiedene Vorteile und manche schalten neue Gebäude oder neue Einheitentypen frei. So wird im Spielverlauf die Artillerie zu einem wichtigen Teil der Landarmee.

Kriegsführung und Diplomatie
Wie in so vielen Teilen des Lebens, wäre es so viel einfacher, wenn nur die anderen nicht wären. Nun gibt es in Europa Universalis sehr viele andere Nationen, die sich auf über 1000 Provinzen verteilen. Diese haben ihre eigenen Ziele und Vorstellungen und interagieren untereinander und mit dem Spieler. So kann sich einer neuen Eroberung eine riesige Allianz aus verschiedenen Nationen entgegenstellen, während man darauf achten muss, seinen Blutdurst in Grenzen zu halten. Für im Auge der Weltgemeinschaft ungerechtfertigte Kriege und Eroberungen erhält man nämlich sogenannte Infamie, die sich nur langsam über Zeit wieder abbaut. Hat man zu viel Infamie angesammelt, wird es den anderen Mächten irgendwann zu viel und sie werden sich gegen den Spieler verbünden. Außer man ist bereits zu mächtig für den Rest der Welt.
Doch um Krieg zu führen, benötigt man eine Armee. Diese ist nicht billig und muss erst einmal aufgestellt werden, dasselbe gilt für die Flotte. Gemäß dem Zeitrahmen gibt es außerdem noch verschiedene Modernisierungen wie das Schießpulver, dass die Kriegsführung revolutioniert. Und das kostet noch mehr Geld, ist aber kriegsentscheidend. Man kann über längere Zeit eine Armee aufstellen, trainieren, erhalten und bei Bedarf modernisieren. Alternativ kann man auch zu Kriegszeiten wesentlich schneller, aber auch teurer, Söldnerheere ausheben, die man nutzt um die eigenen Ziele durchzusetzen.
Jede Armee/Flotte benötigt Befehlshaber, die wiederum verschiedene Fähigkeiten haben. Manche sind gut darin, schnell zu manövrieren, andere wissen wie man eine Festung belagert und manchmal haben sie einfach von nichts eine Ahnung. Ebenso ist es möglich den eigenen Herrscher oder den Erben an die Spitze der Armee zu stellen. Doch dort kann er auch fallen und das Land in Chaos zurücklassen.

Religion
Die Ära von EU III ist noch stark von religiösen Überzeugungen geprägt. Ein exkommunizierter Herrscher kann jederzeit von katholischen Herrschern angegriffen werden. Nationen anderer Religion können in einem heiligen Krieg vernichtet werden. Und wenn die Reformation in Europa beginnt, wird es manchen Reichen sehr schwer fallen, die nationale Einigkeit zu erhalten. Man kann die verschiedenen Möglichkeiten des Spiels nutzen, um religiöse Einheit zu wahren, Missionare auszuschicken und restriktive Religionspolitik zu betreiben. Alternativ kann man aber auch versuchen, eine freidenkende Nation zu werden, die zwar eine Staatsreligion besitzt, aber anderen Religionen gegenüber tolerant ist und sie in ihren Glaubensfragen nicht unterdrückt.

eu3bild1Fazit
Es gibt noch viele Dinge über Europa Universalis III zu erzählen, viele kleinere und größere Spielekonzepte, zum Beispiel das Heilige Römische Reich und dessen Wahlmodalitäten, die Möglichkeit des Geheimdienstes, die Möglichkeit Japan zu einigen, das chinesische Fraktionensystem, die Kolonisierung und und und. Fest steht, Europa Universalis III mit seinen Add-ons ist ein umfangreiches Spiel mit vielen Möglichkeiten und dadurch sehr langer Spielzeit. Dafür ist die Lernkurve steil, doch findet man umfangreiche Hilfe sowohl in Text als auch in Videoform. Wer also Freude an etwas komplizierteren Spielen und umfangreicher Strategie hat, kann nach einer etwas längeren Einführungszeit lange Zeit mit Europa Universalis III Spaß haben.

 

 

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