Waffentechnik: Waffen im Mittelalter

Hallo zusammen, anlässlich des Themas des Strategen diesen Monats habe ich kurzerhand entschlossen einen Artikel über mittelalterliche Waffen zu schreiben. Vorweg sei jedoch gesagt das ich mich auf die gängigsten Waffen beschränken werde. Im Mittelalter gab es je nach Königreich, Geschichte und Region soviele Variationen der Grundwaffen das man darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. Ich werde in diesem Artikel auf die Geschichte, Entwicklung, Anwendung und die physikalischen Kräfte dieser Waffen näher eingehen. Ich habe dabei die Waffen in die drei Kategorien Fernkampfwaffen, Blankwaffen, Schlagwaffen und Stangenwaffen eingeteilt. Die Hieb- und Stichwaffen werde ich in der nächsten Ausgabe veröffentlichen. Der Physikteil ist leider nicht ganz vollständig da ich mir nicht selbst oder durch Internetrecherchen herleiten konnte wie ich den Durchschlagswert eines Geschosses ermitteln ohne das ich die Verzögerung und die Zeit bis zum Stillstand habe. Inzwischen habe ich diesbezüglich sowohl meinen Dozenten als auch meinen Vater eingeschaltet und das Resultat ist ernüchternd. Im Prinzip läuft es darauf hinaus das sich das Metall erstmal verformt. Dabei nimmt ähnlich einer Knautschzone beim Auto die Energie ab. Ist nun noch genug Energie vorhanden bohrt sich der Pfeil in das Metall. Dabei gibt es mehrere unbekannte Faktoren selbst wenn ich die Verformung unter den Tisch fallen lasse: Welche Kraft brauche ich um sie gegen die Dichte des Metalls zu rechnen? Wie groß ist die Verzögerung und in welcher Zeit geht diese vonstatten? Die letzten beiden Werte kann ich dabei nach Aussage des Dozenten nur schätzen. Sollte einer der Leser eine Idee haben währe ich dankbar wenn mit die über die Seite des Strategen oder auf http://www.strategie-zone.de/forum/viewtopic.php?f=796&t=11030 mitteilen könnte. Ich wünsche euch dennoch viel Spaß beim Lesen:

Fernkampf

Schon in den Anfängen der Menschheit entdeckte der Mensch den Fernkampf für sich. Anfangs noch mit recht primitiven Waffen wie Steinen, wurde bereits sehr früh der Bogen für die Jagd eingesetzt. Diese Art der Kriegsführung wurde in den folgenden Jahrtausenden weiterentwickelt, erreichte aber erst im Mittelalter seine Blütezeit, da dort durch Technologien die erforderlichen Durchschlagwerte erreicht werden konnten. Es gab mehrere Arten der Fernkampfkriegsführung. Ich werde hier auf die gängigsten europäischen Fernkampfwaffen eingehen. Allen voran den einfachen Bogen, den Langbogen und die Armbrust.

Bogen

http://www.svwesthausen.de/Bogenklassen.html
Bildquelle: http://www.svwesthausen.de/Bogenklassen.html

Der Bogen wurde schon 12.000 v. Chr. für die Jagd eingesetzt. Wann der Bogen den Weg in die Kriegsführung fand ist noch unklar. Zur Zeit der Römer war der Bogen zwar in allen Völkern vertreten, bildete aber abgesehen von den Parthern eher eine Randgruppe der Kriegsführung. Hauptursache dafür war wohl die Dominanz der römischen Legionen. Fast alle damals bekannten Völker führten in dieser Zeit Krieg gegen Rom. Und aufgrund ihrer Schilde blieben Pfeile recht wirkungslos. So schrieb der römische Politiker Tacticus in seinem Werk “Germania” zwar durchaus das die Germanen den Bogen als Waffe kannten, seine Wirkung aber eher vernachlässigt werden konnte. Später führte das zu dem in Rom geschürten Irrglauben das die Barbaren keine Bögen nutzen würden weil dies gegen Ihren Ehrenkodex verstoße, ja das der Bogen sogar geächtet sei. Die Römer selbst griffen nur in kleinen Zahlen auf Hilfstruppenbogenschützen zurück und verwendeten lieber die Schleuder und den Wurfspeer (Pilum) als Fernkampfwaffe über kurze Distanzen.

Im Mittelalter gewann der Bogen immer mehr an Bedeutung. Er war neben den Stangenwaffen, eine bei der niederen Schichten weit verbreitete Waffe. Allerdings beschränkte sich aufgrund der recht geringen Durchschlagsleistungen sein Nutzen auf ungepanzerte Truppen. Dabei wurde hauptsächlich auf die Salvenwirkung der Bögen gesetzt, als auf die Zielgenauigkeit. Chroniken aus dieser Zeit beschreiben den feindlichen Pfeilbeschuss immer wieder als “dicht wie Schnee” oder “Regen aus Pfeilen”. Um dies zu verdeutlichen hier ein paar Rechnungen. Ein Bogen wurde mit einer Zugkraft von 30 Pfund gespannt was etwa 13,62kg entspricht. Die Rechnung dazu findet ihr in der Rubrik Physik.

Langbogen


Bildquelle: http://www.svwesthausen.de/Technik/Langbogen.jpg

Der Langbogen ist eine Weiterentwicklung des einfachen Holzbogens. Er reichte einem erwachsenen Mann bis auf Augenhöhe (etwa 1,8m). Seine Entstehung ist aber weitgehend unbekannt. Als König Vortigern Wales 449 angriff tauchte der Langbogen erstmals in England auf. Die Waliser waren so beeindruckt von dieser Waffe das sie nach seinem Abzug den Langbogen weiter studierten, bei den Wikingern das Bogenschießen erlernten und später der Langbogen zu einer Art Nationalwaffe der Waliser wurde. Durch etliche Schlachten wurde der Langbogen zu einer gefürchteten Waffe auf den mittelalterlichen Schlachtfeldern. Die Engländer machten sich diese Waffe dabei am effektivsten zu nutzen. Da der Bogen aus Eibenholz bestand wurden für die Bogenproduktion in ganz Europa, ähnlich wie beim Schiffsbau, gewaltige Waldflächen gefällt. Die Ausbildung dauerte zwar sehr lange und es brauchte eine enorme Kraft (bis zu 120 Pfund, 55kg) um den Bogen zu spannen. Das ging sogar soweit das bei gefunden Skeletten von Langbogenschützen massive Verschleißerscheinungen der Schulter und Umbildungen im Wirbel und Armbereich zu sehen waren. Um den Bogen spannen zu können musste der Schützen sowohl an den Fingern als auch an den Armen Schützer aus Leder oder Eisen tragen. Ansonsten schnitten die Sehnen die Haut bis auf die Knochen ein und die losschnellende Sehne konnte mit so einer Kraft auf den Unterarm treffen, dass sie dort die Sehnen und das Gewebe bis auf die Knochen zerschmettert wurde. Jeder der schon einmal als Kind einen Spielzeugbogen abgefeuert hat und dabei das Seil ohne Schutz gegen die Arme bekommen hat weiß wovon ich spreche. Nun stellt euch nun mal die Sehne so dick wie einen Neylonfaden vor und eine Zugkraft die 10-15 mal so groß ist.

Da die Ausbildung so lange dauerte, wurden in England ein Gesetze verabschiedet, der die niederen Schichten dazu verpflichtete regelmäßig mit dem Langbogen zu üben und Väter verpflichtete ihre Söhne ab einem gewissen Alter mit einem Langbogen auszustatten. Es gibt immer wieder Diskussionen wie durchschlagstark die Langbögen damals tatsächlich waren. So wurde im Dach des Towers of London eine Pfeilspitze gefunden die aufgrund ihrer Eindringtiefe auf einen Langbogen mit 120 Pfund hinweist. Desweiteren wurden im Wrack der Mary Rose Langbögen gefunden die Zugewichte von bis zu 100 Pfund aufwiesen. Bestätigt werden diese gewaltigen Zugkräfte durch Nachbauten, die noch größere Zugkräfte erreichten und Erfahrungsberichte aus der damaligen Zeit. So berichtete Gerald de Barri 1182 das walisische Bogenschützen mit ihren Pfeilen ein 10cm dickes Holztor soweit durchschlugen das der Pfeil auf der anderen Seite herausragte. Aufgrund von Reproduktionen ist zu schließen das die Pfeile eines Langbogens damals Geschwindigkeiten von bis zu 164 km/h erreichten. Diese Geschwindigkeiten scheinen zudem recht plausibel zu sein wenn man sie mit heutigen Vollholzbögen vergleicht.

Der Langbogen wurde eingesetzt um Mithilfe schwerer Pfeile und größere Zugkraft Ketten- und Plattenrüstungen zu durchschlagen, die bis zu 2,5cm dick waren. Traurige Berühmtheit erlangten die Langbögen am 26. August 1343 in der Schlacht von Crécy, wo angeblich 6.000 englische Langbogenschützen in 4 Min 144.000 Pfeile auf die französischen Angreifer regnen liessen. Dies entspricht einer Frequenz von 6 Schuss/Minute. Aufgrund des gewaltigen Kraftaufwandes beim spannen dürfte diese Geschwindigkeit jedoch nur kurzzeitig zu erreichen sein und anschließend stark nachlassen. Berühmtheit erlangten die Langbögen jedoch auch in der Schlacht von Azincourt am 25.Oktober 1415, wo 6.000 Briten (eine genaue Zahl lässt sich aufgrund der Ruhr bei den Briten nicht festlegen) gegen 24.000 – 30.000 Franzosen antraten. König Heinrich V war jedoch mit 9.000 Mann in den Feldzug gestartet und man geht von 30-40% Verlusten durch die Ruhr aus.

Der Langbogen wurde in England noch bis nach den englischen Bürgerkrieg im 17.Jahrhundert benutzt. Sir John Smythe sah den Langbogen weiterhin den aufkommenden Feuerwaffen überlegen, da seine Feuergeschwindigkeit deutlich höher lag. Jedoch brauchte die Ausbildung eines Langbogenschützens viele Jahre, während ein Musketenschütze deutlich schneller ausgebildet werden konnte.

Kompositbogen:

Dieser Bogen ist im Gegensatz zum Langbogen und zum Holzbogen nicht aus einem Holz gefertigt sondern aus mehreren Schichten. Der erste Kompositbogen wurde in Südsibieren gefunden, wo man den Bogen mit Geweihen weiter versteift hatte. Der Bogen verbreitete sich in den mediterranen und chinesischen Steppen, da seine Größe und Durchschlagskraft ihn zu einer tödlichen Waffe machte die auch von Pferden aus geführt werden konnte. Bekannt wurde er durch die Hunnen und später den Mongolen, deren militärische Erfolge maßgeblich von diesem Bogen abhingen, da die Europäer den Angreifern wenig entgegenzusetzen hatten. Die Geschichte des Kompositbogens in Europa begann jedoch schon zur Zeit der Römer. Im Krieg zwischen den Römern und Parthern wurde der Bogen genutzt. Dabei griffen die Römer auf den Arcus zurück, einen von den Griechen entwickelten Kompositbogen.


Bildquelle: http://www.svwesthausen.de/Technik/Reiterbogen.jpg

Die Herstellung eines Kompositbogens war lange und umständlich. Man benötigte bis zu 2Jahre, um einen Bogen herzustellen, weshalb ihm wahrscheinlich der Einsatz in Europa verwehrt blieb. Dabei wurden mehrere Schichten aus Holz und Tierhorn miteinander verbunden. Die Tiermaterialien wiesen dabei im Vergleich zum Holz eine bis zu 4 mal so große Zugfestigkeit auf und Tierhorn hält zudem das doppelte an Druck aus wie Holz, sodass der Bogen viel mehr Energie aufnehmen und speichern konnte. Das Holz wurde im Kompositbogen nur als Träger der Tiermaterialien benutzt. Diese Bauweise machte den Bogen auch dünner und die dünneren Arme des Bogens waren flexibler als herkömmliche Arme. Die Bauweise des Bogens weist eine sehr große Ähnlichkeit mit Damaszenerstahl auf, wo auch mehrere weiche und harte Stahlarten verbunden werden. Der Bogen war kleiner und konnte daher vom Pferd aus benutzt werden und war deswegen bei Reitervölkern sehr beliebt. Die bekanntesten waren wohl die Hunnen und Mongolen aber auch die Comanchen und Türken setzten den Bogen sehr erfolgreich ein. So würdigte die USA noch im 19.Jahrhundert aufgrund dieses Bogens die Comanchen als die “beste leichte Kavallerie der Welt”.
Die türkischen Bögen erreichten eine Spannkraft von bis zu 165 Pfund, was sogar die Langbögen übertrifft und eine Reichweite von bis zu 800 m. Der normale Kompositbogen jedoch verfügte über eine Spannkraft von 65 kg und hatte eine Reichweite von 230 m. Da der Bogen jedoch aus Tiermaterialen besteht war er sehr anfällig gegen Feuchtigkeit, was bis zur Zerstörung des Bogens führen konnte. Es ist anzunehmen das unter anderem aus diesem Grund die Hunnen 500 n.Chr Europa verließen.

Armbrust

Die ersten Armbrüste wurden 100 n.Chr in römischen Gebieten gefunden. Die legt den Einsatz der Armbrust als Kriegswaffe durch die Römer nahe. Doch bereits vor den Römern gab es in China Aufzeichnungen über Armbrüste aus dem Jahre 200 v. Chr. Scheins wurden damals die Wehrbauern entlang der chinesischen Mauer bei einer Bedrohung damit ausgestattet. Die Armbrust ist an sich ein einfaches Gebilde. Es handelt sich lediglich um einen Bogen der in der Mitte an einer Holzsäule befestigt und statt durch die Hand durch mechanische Hebel oder Kurbeln gespannt wurde. Je nach Entwicklungsstand wurden dafür einfache Holzbogen, Kompositbogen oder stählerne Bogen benutzt. Der Vorteil dieser Waffe lag in seiner Spannkraft. Durch die mechanische Spannung konnte eine größere Spannkraft mit geringerem Kraftaufwand erzeugt werden als bei einem Bogen. Sein Nachteil war jedoch die Nachladezeit. So konnte man mit dem Langbogen bis zu 10 Schuss/Minute abfeuern, während die Armbrust nur 1-2 Schuss/Minute schaffte. Die gefürchtete Durchschlagskraft wurde dabei aufgrund zweier Faktoren herbeigeführt. Die Konstruktion der Armbrust erlaubte es dem Schützen einen Bolzen zu benutzen. Ein Bolzen war schwerer als ein normaler Pfeil. Dazu kam die deutlich höhere potenzielle Abschussgeschwindigkeit. Ein weiterer Vorteil der Armbrust war seine Genauigkeit. Aufgrund der Bolzenauflage in der Holzsäule konnte der Schütze zielen, während Bögen auf massive Salvenwirkung setzten.


Bildquelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Armbrust

Im Jahre 1066 schafften es die Normannen die Armbrust kriegstauglich zu machen, als sie diese in der Schlacht von Hastings einsetzten. 1139 wurde im zweiten Lateranischen Konzil die Armbrust im Kampf Christen gegen Christen verboten, da sie aufgrund ihrer großen Reichweite und Durchschlagskraft im Kampf gegen Ritter als unritterlich galt. König Löwenherz einer der größten Förderer der Armbrust, der ironischer Weise aus dem
Land der Langbögen kam, starb durch einen Armbrustbolzen. Die Zeit der Armbrust wurde jedoch rasch beendet als die ersten Feuerwaffen im 16.Jahrhundert auftauchten. Die Chinesen entwickelten die Repetierarmbrust, die es ermöglichte die geringe Kadenz auszugleichen. Dies ging jedoch auf Kosten der Reichweite und Durchschlagskraft. Daher wurde die Waffe eher zur Verteidigung gegen Massenangriffe eingesetzt.

Entgegen der gängigen Meinung ist die Mehrzahl von Armbrust nicht Armbrüste. Dieser Irrglaube liegt in der falschen Interpretation des Namens begründet. So denken die meisten, dass das Wort Armbrust mit dem Nutzen der Waffe zutun hat. Also man legt es an die Schulter/Brust an. Aber dem ist nicht so. Der Name stammt ursprünglich aus dem lateinischen und hieß arcuballista, zu deutsch Bogenschleuder (arcus=Bogen, ballista=Wurfmaschine). Nachdem Versuch das lateinische Wort
“einzudeutschen” entstammte ein fiktiver Name der die Silben “Arm” und “berust” verband. Der Name Armbrust war geboren. Demzufolge ist auch die Mehrzahl von Armbrust nicht Armbrüste sondern Armbruste oder Armbrusten. Der Plural Armbrüste ist aber bereits so stark in der Gesellschaft verankert, das selbst Duden, welche die korrekte Bezeichnung und auch Wortgeschichte wiedergeben im Plural Armbrüste als eine legitime Alternative zum eigentlich korrekten Plural angeben. Das geht sogar soweit das die Rechtschreibprüfung von Office die eigentlich korrekte Schreibweise als falsch anzeigt und nicht kennt.

zusätzliche Quelle neben Wikipedia:
http://www.duden.de/rechtschreibung/Armbrust

Physik:

Um euch die Kräfte hinter den Waffen besser zeigen zu können und euch die dahinter steckenden physikalischen Regeln zu verdeutlichen hier nun eine Rubrik über die Physik der Fernkampfwaffen.
Um ausrechnen zu können mir welcher Geschwindigkeit und Energie ein Pfeil abgeschossen wird, brauchen wir mehrere Werte. Ich musste kleinere Näherungen vornehmen um die Rechnung übersichtlich zu halten. So gehe ich davon aus das sich Auslenkung der Sehne und Kraft linear verhalten. Diese Annahme gilt jedoch nur bei Auslenkungen von bis zu 40 Grad. Da allerdings die Differenz nur langsam größer wird und ein Bogen selten soweit gespannt wird, dürfte diese Näherung das Ergebnis nicht wesentlich verändern. Als weiter Vereinfachung nehmen wir für die Auslenkung nicht den Winkel sondern die Strecke .

Wobei s0 die Auslenkung bei gespanntem Bogen ist.

Als weitere Informationen haben wir .
Darüber hinaus ist aus der Physik bekannt das die Ableitung der Strecke nach der Zeit die Geschwindigkeit ist und die Ableitung der Geschwindigkeit die Beschleunigung darstellt

Ich rechne zudem mit der Federspannung, welche aber identisch ist mit einer Bogenspannung. Die Federkonstante ist α und ich hoffe sie rechnet sich raus.
Die Kraft der Federspannung errechnet sich aus der Federkonstanten α und der zurückgelegten Strecke s, gleichbedeutend mit der Auslenkungsstrecke F = α × s.
Damit gilt:

 Negative Kraft da beim Spannen eine Kraft nach hinten ausgeübt wird.

 Kraft ist die Masse mal die Beschleunigung
Wir wissen das die Beschleunigung die zweite Ableitung der Strecke ist.
Daraus folgt: 

Nun setzen wir das ganze gleich und stellen die Gleichung um und erhalten die Differenzialgleichung

Nun haben wir eine normierte und homogene Differentialgleichung 2.Ordnung. Diese lösen wir nun.

Wir rechnen nun aus was C1 und C2 sind. Wenn der Bogen gespannt ist, ist die Geschwindigkeit 0 und die Zeit auch 0. Da die Geschwindigkeit die erste Ableitung der Strecke ist können wir sagen s´(0) = 0.

Damit bleibt übrig:

Wir wissen nun, dass die Geschwindigkeit V die erste Ableitung von s ist.

Um das zu lösen müssen wir wissen was t ist. Um das zu errechnen schauen wir uns mal die Funktion an. Es handelt sich im eine Sinus-Funktion. Diese errechnet ihr Maximum bei ½ π. Bei einem Maximum ist die Steigung 0. Zwar geht die Kurve danach weiter aber, dass interessiert uns nicht weiter, da der Pfeil nun keine Kraft mehr vom Bogen erhält.

Ich schreibe hier für die innere Ableitung β da sie unerheblich für uns ist. Diese Funktion wird 0 wenn der Cosinus Null wird. Das ist bei  ½ π der Fall.

Nun setzen wir das in V(t) ein um zu errechnen welche Geschwindigkeit der Pfeil hat.Wie ihr nun seht haben wir mehrere Probleme. Während man s0 durch die Pfeillänge und m durch das Gewicht eines Pfeils noch relativ gut schätzen kann verschwindet aber unsere Auslenkungsstrecke α nicht. Dafür bedienen wir uns eines kleinen Tricks. Wir wissen das F=m x a  ist. Daraus leiten wir F0= α x s0 ab das ist. Nun haben wir  α = F0/ s0. Das setzen wir ein und erhalten:

F0 = Zugkraft des Bogens in Newton

S0 = Spannweite des Bogens, etwa 80% der Pfeillänge (55-85 cm je nach Armlänge)

m = Gewicht des Pfeils

Wenn wir uns die Formel anschauen, erkennen wir das die Masse des Geschosses zwar Einfluss auf die Geschwindigkeit und damit auch Reichweite hat, aber für die Energie und damit die Durchschlagskraft eines Geschosses unerheblich ist. Der Grund dafür liegt in der Geschwindigkeit. Der Durchschlagszuwachs durch das Gewicht wird durch die geringere Aufprall-geschwindigkeit annulliert und umgekehrt.
Ausschlaggebend für die Durchschlagleistung eines Pfeiles oder Bolzens ist damit die Spannkraft und die Beschleunigungsstrecke (Auslenkungsstrecke). So kann z.B. bei einem Kompositbogen oder einer Armbrust der Beschleunigungsweg kürzer sein als bei einem Langbogen, aber durch die Spannkraft kann das gut ausgeglichen werden, da beide Faktoren gleichstark gewichtet werden.
Wenden wir die Formeln mal auf ein praktisches Beispiel an. Ein Langbogen hat eine Spannkraft von durchschnittlich 100 Pfund. was 45,4 kg entspricht. 45,4 kg sind 454 N. Das Gewicht eines Holzpfeils schätzen wir auf 60g. Da die Länge es Pfeils abhängig ist von der Armlänge nehme ich hier mal 65 cm als Maß, da die Menschen damals kleiner gebaut waren als heute. Damit wurde der Bogen idealerweise 60 cm nach vorne geschoben. Eingesetzt in die obige Formel erhalten wir damit eine Fluggeschwindigkeit von 67,4 m/s (242 km/h) und eine Energie von 136,2 Joule.
Ein Kompositbogen mit 165 Pfund (750 N), 50g Pfeilgewicht und 50 cm Zugstrecke hätte eine Geschwindigkeit von 86,6 m/s (312 km/h) erreicht und eine Energie von 187,5 Joule gehabt.
Der oben angeführte Holzbogen mit 30 Pfund Zugkraft hätte nach diesen Formeln beim gleichen Pfeil und Zug wie beim Kompositbogen eine Geschwindigkeit von 36,9 m/s (132,8 km/h) erreicht und eine Energie von 34 Joule aufgewiesen.
Da die Zugkraft einer Armbrust je nach Zugmechanismus, Bogen und Bauart stark variieren konnte, nehme ich für eine Beispielrechnung einen Stahlbogen mit 400 kg Zugkraft. Da Bolzen meistens kleiner waren als Pfeile rechne ich mit einem 30 cm langen Bolzen der jedoch mit 120g schwerer als ein Pfeil ist. Die Zugstrecke lege ich mit 25 cm fest. Damit hätte ein Armbrustbolzen eine Geschwindigkeit von 91,3 m/s (328 km/h) und eine Energie von 500 Joule erreicht. An diesem Beispiel sehen wir, das ein Bolzen der das doppelte eines normalen Pfeils wiegt, trotz der immens hohen Zugkraft von 4.000 N lediglich die Fluggeschwindigkeit eines mit 750 N abgefeuerten Pfeils eines Kompositbogens erreicht. Dafür aber aufgrund der großen Zugkraft eine verheerende Energie aufweist. Um zu verdeutlichen wie stark 500 Joule sind: Die berühmte 9mm Luger der Wehrmacht im 2. Weltkrieg verschoss ihre Kugeln mit 500 Joule Energie. Nicht umsonst gibt es in den USA noch heute eine Spezialeinheit, die mit
modernen Armbrüsten schießt.

Aufgrund der Komplexität und weil ich schlichtweg keine Formeln dafür finde, kann ich euch leider nicht sagen wie viel Stahl diese Pfeile durchschlagen hätten.
Informationen aus dem Internet waren teilweise so hoch das selbst der Bolzen der Stahlarmbrust gerade so eine 3 cm Stahlrüstung durchschlagen hätte, obwohl wie oben geschrieben eine Luger mit gleicher Energie sicher keine Probleme damit gehabt hätte. Sollte ich bis zur Veröffentlichung oder zur nächsten Ausgabe die Lösung haben, werde ich sie nachreichen.

 

Artikel bewerten
(3 Stimmen)

Der Stratege@Facebook

 

Der Stratege@Google+

 

 

Strategen-Unterstützung

via PayPal

Durch unsere nicht kommerzielle Arbeit, welche den Lesern entsprechende Kosten erspart, würden wir uns über eine kleine Unterstützung freuen.

Der Stratege