Waffen der Römischen Armee

Das Ausgerechnet jetzt der Artikel über die Römische Armee erscheint hat natürlich nichts damit zu tun, dass Anfang September Total War Rome II erschienen ist. Wir können ja auch nichts dafür das Sega das ausgerechnet im September rausbringt ;)
Natürlich gibt es da schon den ein oder anderen Zusammenhang zwischen dem Erscheinen von TWR II und dem Zeitpunkt des Erscheinen dieses Artikels. Da die Römische Armee jedoch mehr als ein Jahrtausend bestanden hat, ist der Rahmen auf die ungefähre Zeit von Total War Rome II begrenzt – alles andere wäre zu langatmig.

Man stellt sich die Römische Armee gerne wie in Asterix & Obelix vor, eine große Anzahl an Römischen Soldaten, welche alle zum Verwechseln gleich aussehen. Aber dies war bei weitem nicht so! Zwar waren sie alle sehr einheitlich bewaffnet, aber die Ausrüstung war doch sehr verschieden.

Späte Republik (Anfang Rome II - 24 v.Chr.)

Leider sind Belege für die Ausrüstung der Legionäre in der Späten Republik eher spärlich, da durch die lange Zeit bereits vieles zerstört wurde, doch einige Informationen konnte man noch sammeln, welche ich hier zusammengefasst habe. Man muss hierbei klar unterscheiden zwischen der Zeit vor der Heeresreform des Marius und der Zeit danach.

Vor der Mariusreform

Erklärung zu den Einzelnen Truppengattungen:

Velites: Diese bildeten die Plänkler der römischen Armee. Ihre Aufgabe bestand darin, vor dem eigentlichen Nahkampf bereits ein Geplänkel mit den feindlichen Speerwerfern zu beginnen und erste Verluste zuzufügen. Anzahl in der Legion ca. 1.200.

Hastati: Die Hastati bildeten die erste Schlachtreihe und trafen somit, nach den Velites, als erstes auf den Feind. Die Soldaten die hier kämpften, standen meist noch am Anfang ihrer Militärzeit, sodass sie zum größten Teil noch jung und Unerfahren waren. Ihre Ausrüstung entsprach im Großen und Ganzen der der Principes. Anzahl in der Legion ca. 1.200

Principes: Sie bildeten die zweite Schlachtreihe und sollten dann gegen den, bereits ermüdeten, Feind kämpfen. Diese Schlachtreihe bestand Hauptsächlich aus Soldaten, die bereits länger gedient hatten und somit einiges an Gefechtserfahrung besaßen. Die beiden bisher genannten Schlachtreihen haben gemeinsam, dass sie aus der einfachen Bevölkerung bestanden und die Principes zu der zweithöchsten Einkommensklasse des gehobenen Bürgertums gehörten. Denn nur so konnten sie sich die teurere Ausrüstung leisten.

Triarer: Hierbei handelt es sich um die absolute Elite der römischen Legion während der späten Republik bis zur Mariusreform. Vom Aussehen und der Bewaffnung erinnern sie stark an die Griechischen Phalangen. Das liegt vor allem daran, dass auch die römische Armee einige Zeit in der Formation der Phalanx gekämpft hat. Anders als in die beiden Truppengattungen konnte hier nur die gehobene Schicht eintreten.

Bewaffnung der Truppengattungen:

Leichte Wurfspeer: Die hasta velitaris waren die Wurfspeere der Velites. Sie waren etwas über einem Meter lang. Am Ende hatten sie eine dünne eiserne Spitze, diese brach beim Eindringen ab und konnte somit nicht als Waffe vom Feind verwendet werden. Entgegen dem pilum war die primäre Aufgabe des Wurfspeeres, den Gegner zu töten und ihm nicht seiner Deckung zu berauben.

Bild 1Kurzschwert: Ab wann genau das „gladius hispaniensis" (spanische Schwert) in die Legion eingeführt wurde lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen. Wann genau die Römer das erste Mal Bekanntschaft mit diesem Schwert machten, ist ebenso unbekannt. Es ist sowohl der 1. Punische Krieg möglich, als auf der Seite Karthagos Spanische Söldner kämpften oder während des 2. Punischen Krieges, als die ersten Legionen zur Iberischen Halbinsel marschierten. Sicher ist jedoch, dass es im 3. Oder frühen 2. Jahrhundert v.Chr. von den Spaniern übernommen wurde. Die Länge des gladius hispaniensis liegt bei etwa 70 bis 80cm Länge.

In erster Linie handelte es sich bei dem gladius um eine Stichwaffe, die also nur gestoßen wurde. Zwar konnte man auch effektive Hiebe mit dieser Waffe ausführen, dies war allerdings zum einen nicht gerne von den Offizieren gesehen, da diese Waffe nicht für solche Belastungen gedacht war. Zum anderen war die Formation der Römer zu eng, um effektive Hiebe ausführen zu können. Das gladius wurde beim Marschieren von einer, meist kunstvoll verzierten, Scheide gehalten die an einem Schulterriemen befestigt war. Erst unter Augustus sollte sich das Aussehen der Waffe verändern – dazu aber später mehr.

Verwendete Truppengattung: Hastati, Principes, Velites (nach Polybios)

Dolch: Der Dolch (lat. pugio) gehörte nicht zur Standartausrüstung des Römischen Soldaten und war daher nur bei einzelnen Legionären anzutreffen. Zwar erwähnt Polybius keine solche Waffen, jedoch ist durch Archäologische Bild 2Funde in Spanien, etwa 2. Jh. v.Chr., die Existenz dieser Waffe auf römischer Seite belegt. Allerdings muss man davon ausgehen, dass der pugio, aufgrund seiner Größe, eher für alltägliche Verrichtungen genutzt wurde, anstatt großartig im Kampf eingesetzt zu werden. Da auf der rechten Seite bereits das gladius getragen wurde, befestigte man den pugio, samt Scheide, auf der linken Seite.

Verwendete Truppengattung: Hastati, Principes, Velites

Speer: Der Speer (lat. hasta) stammt noch aus der Zeit als die römische Armee in der Formation der Phalanx gekämpft hat. Dieser Speer war nicht zum Schleudern gedacht, sondern zum Stoßen. Er war 4m lang und wurde nach der Mariusreform nur noch von der Kavallerie weiterverwendet.
Verwendete Truppengattung: Triarer

Wurfspeer: Das pilum (Wurfspeer) gehört wohl, neben dem gladius, zu den bekanntesten Waffen des römischen Legionärs. Doch entgegen vieler Falschdarstellungen handelt es sich hierbei nicht um einen Speer zum Stoßen, sondern um einen Wurfspeer. Über 5. Jahrhunderte wurde das pilum in der römischen Armee geführt, dabei wurden nur kleine Veränderungen vorgenommen. In der Zeit der Republik bestand das pilum aus einem etwa 1,2m langen Holzschaft und einem ca. 60cm langen Eisen. Dieses lief vorne spitz zu einem Widerhacken zu, dieser hatte den Zweck, dass man das pilum nach dem Durchschlagen des Schildes nicht mehr herausziehen konnte. Folglich musste der Schild dann weggeworfen werden, sodass der Feind den römischen Legionären schutzlos ausgeliefert war. Beim Aufprall des pilum konzentrierte sich das gesamte Gewicht auf die Spitze, sodass eine sehr hohe Durchschlagskraft erreicht werden konnte. Es ist sogar überliefert, dass einige pila die Schilde des Feindes durchdrangen und sich dann noch in den Körper des Feindes bohrten. Die Reichweite eines pilum liegt bei etwa 30m, allerdings ist der wirksame Bereich nur etwa halb so weit.
Verwendete Truppengattung: Hastati, Principes

Bild 3Schild: Selbst das römische Schild (lat. scutum) konnte als Waffe verwendet werden. Nicht unbedingt zum Töten des Gegners, aber um ihn niederzustoßen. Dabei war die leicht gewölbte Form des Schildes sowie der eiserne Schildbuckel ein großer Vorteil. Man stieß den Gegner damit zu Boden und konnte ihn dann recht einfach mit dem gladius niederstrecken. Polybius berichtet, dass der Schild etwa 1,20m lang und 0,75m breit war, dazu muss natürlich erwähnt werden, dass die Menschen damals auch kleiner waren. Die ungefähre Größe eines Italieners zu der Zeit lag bei etwa 1,5m – 1,6m. Zu der Form des Schildes lässt sich sagen, dass dieses zur Zeit der Republik noch Oval war.

Verwendete Truppengattung: Hastati, Principes


Nach der Mariusreform

Bei der Mariusreform handelt es sich wohl um die bekannteste Heeresreform der Antike, die aus der römischen Legion das erste vollständige Berufsheer der Geschichte gemacht hat. Einer der wichtigsten Punkte dieser Reform war die Vereinheitlichung der Truppengattungen. Das heißt, die Hastati, Principes, Velites und Triarer wurden abgeschafft und durch einen einheitlichen Soldaten ersetzt. Größtenteils wurde die Bewaffnung (gladius, pugio, scutum und pilum) dabei beibehalten. Einige Veränderungen wurden jedoch trotzdem vorgenommen, auf welche ich nun hier eingehen werde.

Wurfspeer: Wie bereits im ersten Teil erklärt, handelt es sich bei dem pilum um einen Wurfspeer der dazu gedacht war, den Schild des Gegners zu durchdringen und ihn somit den römischen Legionären Schutzlos auszuliefern. Das Grundkonzept blieb auch erhalten, nur die Spitze veränderte sich ein wenig. Der Widerhacken wurde entfernt und durch eine pyramidenförmige Spitze ersetzt. Damit hätte der Feind das pilum jedoch wieder leicht aus Bild 4seinem Schild herausziehen können, also ging man dazu über den hinteren Teil des Eisen etwas weicher zu schmieden, sodass sich dieser verbog und nicht mehr herausgezogen werden konnte.

Die Spitze am unteren Ende des pilum war dafür gedacht, dass der Legionär das pilum bei einer längeren Pause auch einmal in den Boden stecken konnte. Auf dem Feldzug führte der Legionär meist zwei pila mit sich, an dem Tag der Schlacht hatte er jedoch nur eines bei sich. Das werfen von zwei pila wäre bei einer effektiven Reichweite von 15m auch unmöglich gewesen.

Verwendete Truppengattung: Legionär

Schild: Das Grundkonzept des scutum bestand nach wie vor aus drei kreuzweise verleimten Lagen Holz, die mit Leder überzogen waren, diese Verbindung gab dem scutum die Elastizität und Festigkeit die es berühmt gemacht hat. In der Mitte des Schildes war ein eiserner Schildbuckel befestigt, der die Hand des Trägers dahinter schützen sollte und dem Stoß mehr Kraft verlieh. Sowohl die obere als auch die untere Kante war mit Eisen befestigt, damit Schläge nicht direkt das Holz trafen und dieses beschädigte. Allerdings ging man nun langsam dazu über das scutum nicht mehr Oval zu bauen, sondern, wie heute meist bekannt, eher Eckig anzufertigen.

Bild 5

Bild 6Langschwert: Diese Waffe, das spatha, hat nichts mit der Stadt Sparta zu tun sondern ist das römische Langschwert. Zwar wurde sie bereits während der späten Republik von der Kavallerie geführt, aber erst während der frühen Kaiserzeit gewann diese Waffe mehr an Bedeutung.

Aber auch diese Waffe stammt nicht alleine von den Römern sondern wurde vermutlich von den Kelten abgeschaut. Jedoch passten es die Römer noch ein wenig für ihre Zwecke an und diese Veränderte Form sorgte dafür, dass das spatha als Vorbild für viele europäische Schwerter genutzt wurde. Durch seine Länge eignete es sich nicht für den Kampf in Formation, jedoch hervorragend für die Kavallerie, da diese mit dem kurzen gladius sehr eingeschränkt waren in ihrer Funktion. Anders als bei dem Kurzschwert handelte es sich hierbei um eine Hiebwaffe, die jedoch auch zum Stechen genutzt werden konnte. Ähnlich dem gladius variierte auch hier die Größe sehr stark, so ist ein in Rottweil entdecktes Schwert bspw. 86,5cm lang und 4,4cm breit und ein anderes Fundstück auf Newstead (Schottland) nur 62,2cm lang und 2,5cm breit.

Frühe Kaiserzeit (27v.Chr. – Ende Rome II)

Im Vergleich zu den Informationen welche wir heute über die Ausrüstung der Legionäre der späten Republik haben, sind wir vergleichsweise gut darüber informiert wie der Römische Soldat um das Jahr 0 herum ausgerüstet gewesen sein muss. Um das Jahr 0 herum gab es eine Heeresreform, die zum einen die Verwaltung in der Legion neu ordnete und zum anderen auch die Bewaffnung veränderte. Zwar blieb die Grundausstattung gleich, doch es wurden einige effektive Veränderungen durchgeführt.

Kurzschwert: Viele Jahre lang hatte Augustus (zu der Zeit noch Gaius Octavius) selbst Erfahrung auf dem Schlachtfeld sammeln können, als erfolgreicher Feldheer. Seine Beobachtungen bezüglich der Bewaffnung veranlasste ihn um das Jahr 0 herum eine Reform in der Armee durchzuführen, die bereits angesprochene Heeresreform des Augustus (Augustusreform). Er ließ das gladius kürzen, ungefähr 50 oder 60cm, dieser neue Typ ist allgemein bekannt unter dem Namen: Typ Mainz. Dieser Name rührt daher, dass eines der ersten Exemplare dieses neuen Schwerttyps in Mainz gefunden wurde. Charakteristisch für den Typ Mainz ist, dass sich die Klinge zur Mitte hin verjüngt und dann wieder breiter wird. Im vorderen Drittel läuft die Klinge zu einer langen, schlanken Spitze aus.

Bild 7

Diese beidseitig geschliffene Klinge kann schreckliche Wunden schlagen, sodass bereits eine Eindringtiefe von 4cm tödlich sein kann. Livius berichtet, dass ein makedonisches Heer voller Entsetzen reagierte, als es ein Schlachtfeld vorfand, auf dem die Leichen von Männern lagen, denen Köpfe und Gliedmaßen abgeschlagen worden waren.
Bei dem „gladius Fulham" handelt es sich um eine Unterordnung des „Typ Mainz" und ebnete den Weg zum „Typ Pompeji", dieser wurde noch unter der Herrschaft des Kaiser Claudius (41–54 n.Chr.) eingeführt.

Dolch: Zwar besaßen bereits während der Späten Republik einige Soldaten den pugio als Prestigeobjekt, doch erst unter August fand er größere Beliebtheit unter den Soldaten und verbreitete sich dort recht schnell. Jedoch muss auch hier angenommen werden, dass er aufgrund seiner Größer weniger als Waffe eingesetzt wurde, sondern hauptsächlich als Prestigeobjekt diente und für kleinere Verrichtungen am Tag genutzt wurde.

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hastati - Zugriff am 29.8
http://de.wikipedia.org/wiki/Velites - Zugriff am 29.8
http://de.wikipedia.org/wiki/Hasta - Zugriff am 29.8
Teresa Guaitoli, Maria (2006), Die Römer Geschichte und Reichtum einer Antiken Hochkultur, Wiesbaden, White Star Verlag
Goldsworthy, Adrian (2004), Die Legionen Roms Das große Handbuch zum Machtinstrument eines tausendjährigen Weltreiches, Hambrug, Zweitausendeins
Gilbert, Francois (2008), Roms Hilfstruppen und Legionäre, Stuttgart, Motorbuch Verlag
Thiel, Andreas (2008), Die Römer in Deutschland, Stuttgart, Konrad Theiss Verlag
Sumner, Graham ((2007), Die Römische Armee Bewaffnung und Ausrüstung, Stuttgart, Motorbuch Verlag
Penrose, Jane (2007), Rom und seine Feinde Kriege, Taktik, Waffen, Stuttgart, Konrad Theiss Verlag

Bildquellen:

Bild 1 http://www.armillum.com/es/espadasromanas/282-hispaniensis.html
Bild 2 http://robowiki.net/wiki/Pugio
Bild 3 http://www.ruestungsschmiede.de/html/romershop_1__jh_.html
Bild 4 http://www.medieval-weaponry.co.uk/acatalog/roman-pilum.html
Bild 5 http://www.imperium-romanum.info/wiki/index.php?title=Scutum
Bild 6 http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spatha_end_of_second_century_1.jpg
Bild 7 http://www.museodelarmablanca.com/gladius.htm

 

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