stupor mundi – Staunen der Welt

Am 26. Dezember 1194 erblickte Rogerius Federicus in Jesi (Provinz Acona) das Licht der Welt. Als Sohn Kaiser Heinrichs IV. und Konstanze von Sizilien vereinte er001 das Heilige Römische Reich und das Königreich Sizilien in seiner Person. Sogar sein Name zeigt, dass er das Erbe seiner Vorfahren, Friedrich I. Barbarossa und Roger II. von Sizilien, annehmen sollte. So wurde er im Laufe seines Lebens zu Friedrich II. dem Staufer.

002Nach dem baldigen Tod seiner beiden Eltern wuchs Friedrich zunächst in Palermo (Sizilien) unter der Vormundschaft Papst Innozenz des III. auf. Obwohl er bereits 1196 durch die Fürsten im Heiligen Römischen Reich zum deutschen König gewählt wurde um dem welfischen Kaiser Otto IV. entgegenzuwirken, verzichtete seine Mutter für ihn auf das deutsche Königtum, nachdem er 1198 zum König Siziliens wurde. Die folgenden Jahre waren für ihn sicherlich nicht von einfacher Natur, da sich viele Adlige und andere Parteien um die Regierungsgewalt im sizilianischen Königreich stritten und der junge König zu diesen Zeiten auch materielle Armut kennen lernte. Es wird vermutet, dass gerade die Ereignisse während er in der Vormundschaft Innozenz' lebte, seinen Charakter maßgeblich prägten.
Als er im Jahre 1208, im Alter von 14 Jahren, aus der Vormundschaft des Papstes gelassen wurde, sammelt er sofort ein Gefolge um sich, um seine Position im Königreich zu stärken. Hinzu kommt eine vom Papst arrangierte Eheschließung mit Konstanze von Aragon, die sein Königtum weiter untermauerte. Im nächsten Zug gegen Friedrich riefen die lokalen Barone Kaiser Otto IV. um Hilfe, der daraufhin auch in das Königreich einfiel, um seinen staufischen Rivalen zu vertreiben. Allerdings verstieß der Kaiser somit gegen zuvor gemachte Abkommen mit dem Papst, der die Vereinigung des Heiligen Römischen Reichs mit dem Königreich Sizilien und somit die Umklammerung des Kirchenstaates fürchtete. Folglich ließ Innozenz III. den Kaiser 1210 fallen und unterstütze ab sofort Friedrich als Gegenspieler Ottos. Im Herbst 1211 wurde dieser von anti-welfischen Fürsten in Nürnberg zum Kaiser gewählt, was die Welfen zum Rückzug aus Italien zwang.
Nachdem Friedrich seinen Sohn Heinrich Anfang des Jahres 1212 zum König von Sizilien hatte krönen lassen, zog er mit einem relativ kleinen Gefolge auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland und traf dort im September nur wenige Stunden vor Otto in Konstanz ein. Durch geschicktes Handeln erweiterte Friedrich II. seinen Einflussbereich in Süddeutschland. Sowohl der Wohlstand der staufischen Besitztümer, als auch pro-staufisch eingestellte Fürsten, standen ihm ab sofort zur Verfügung. Durch die Unterstützung des Papstes, geistliche Fürsten und auch durch französische Gelder gelang ihm, natürlich unter Berücksichtigung seines staufischen Namens, seine Stellung im Imperium merklich weiterhin zu verbessern. Am 5. Dezember wurde er schließlich in Frankfurt zum König gewählt und vier Tage später in Mainz gekrönt.
Am 12. Juli 1213 wiederholte er mit Zustimmung der Fürsten die Zugeständnisse an die Kirche, die Otto zuvor gemacht und mit seinem Italienfeldzug gebrochen hatte, in der Goldenen Bulle von Eger. Gleichzeitig erfüllte er die territorialen Forderungen des Papstes in Italien, so dass dieser eine Umklammerung des Kirchenstaates nicht zu fürchten brauchte. Der deutsche Thronstreit zwischen Staufern und Welfen nahm am 27. Juli 1214 ein abruptes Ende, als die Koalition aus England und seinen Verbündeten mit Otto IV. an der Spitze bei Bouvines vom französischen König Philipp II. August besiegt wurde. Nach Ottos Niedergang, der der Schlacht von Bouvines folgte, fand eine erneute Körnung Friedrichs in Aachen im Juli 1215 statt. Trotz seines Versprechens gegenüber dem Papst, seinen Sohn in Sizilien zu lassen, holte er Heinrich nach Deutschland, wo dieser im April 1220 zum deutschen König gewählt wurde. Daraufhin brach Friedrich nach Italien auf und Papst Honorius III. krönte ihn am 22. November 1220 zum Kaiser. Der neue Kaiser bekräftigte nochmals deutlich die
staatliche Trennung von Imperium (Heiliges Römisches Reich) und Regnum (Königreich Sizilien). Zu dieser Zeit schien zwischen beiden ein relativ gutes Verhältnis zu bestehen, was in Zukunft auf eine harte Probe gestellt werden sollte.
Nach seiner Kaiserkrönung zog Friedrich II. weiter nach Sizilien und begann dort mit umfangreichen staatlichen Reformen, für die er von Historikern später als 004fortschrittlich und aufgeklärt bezeichnet werden sollte. Der Ausbau eines zentralistisch angelegten Herrschaftssystems stand für den Kaiser im Vordergrund, womit er die typischen feudalen Strukturen zurückdrängte. Auf dem Hoftag in Capua 1220 legte er Beschlüsse fest, nach denen alle bisherigen Privilegien überprüft wurden. Durch seine radikalen Änderungen und militärische Vorstöße, brach er die Macht vieler festländischer Barone und errichtete ein gut organisiertes Burgensystem. Als wäre das noch nicht genug, gründete er 1224 die „Staatsuniversität" in Neapel. Hier wurden seine zukünftigen Beamten ausgebildet, die auch nicht mehr aus ausländischen Hochschulen kommen durften. Der Kaiser legte viel Wert auf die Loyalität seiner Beamten und den Stand deren Ausbildung. Zeitgleich drängte er durch das Einsetzen seiner eigenen Beamten den Einfluss der Kirche zurück, was mit Sicherheit ebenfalls seine Absicht war.
Im Jahre 1225 heiratete Friedrich II. Isabella von Brienne, wodurch ihm der Königstitel von Jerusalem zufiel und man hoffte, dass er nun in das Heilige Land gehen werde. Mit dem geplanten (und wohl auch versprochenen) Kreuzzug, ließ sich Friedrich jedoch reichlich Zeit. Nachdem er versuchte die Besitzansprüche in Oberitalien geltend zu machen und in der Goldenen Bulle von Rimini die Voraussetzung für den Deutschordensstaat in Preußen schaffte, sollte der Kreuzzug 1227 letztendlich beginnen. Das Unterfangen kam jedoch schon bald wegen einer Seuche an Bord der Schiffe zum Stocken und musste kurz darauf auch umkehren. Das ohnehin schon verschlechterte Verhältnis zum Papst, führte nach der Rückkehr des Kaisers auch zu seinem Bann durch Gregor IX.. Als Friedrich den gescheiterten Kreuzzug weiterhin plante und 1228 dann wirklich aufbrach, erneuerte der Papst den Bann.
Im Heiligen Land angelangt, fiel es Friedrich, wegen seines Banns, nicht leicht, Verbündete zu sammeln. Und so versuchte er sich mit Verhandlungen mit Sultan al-Kamil, die ungefähr ein Jahr andauerten. In dieser Zeit entwickelten die beiden Gegenspieler eine Gewisse Art von Respekt voreinander und so kam es, als al-Kamil mit seinem Bruder, deren Neffen belagerte, der Kaiser die Situation wahrnahm. Er ging mit seinen Bedingungen dem Sultan entgegen und brachte diesen somit zum Einlenken, vor allem, da ein militärisches Eingreifen Friedrichs die Situation für den Sultan merklich verschlechtert hätte. So wurde Jerusalem friedlich an den Kaiser abgetreten und die Pilger erhielten die Möglichkeit von Akkon aus die Stadt ungehindert zu erreichen. Friedrich II. selbst präsentierte sich in Jerusalem als christlicher Imperator und mit seinem berühmten Gang unter der Krone setzte er ein unmerkliches Zeichen. Dieses Ereignis wurde oftmals falsch interpretiert. Eine Selbstkrönung eines gebannten Kaiser wäre zu keinem guten Ergebnis gekommen, weswegen das Tragen der Krone vielmehr als symbolischer Akt angesehen werden sollte, mit dem der Kaiser seine Stellung und seine Dankbarkeit Gottes ausdrückte. Selbstverständlich wurde dies und auch die Art, wie Friedrich Jerusalem erlangte von vielen nicht gerne gesehen. Man erhoffte sich immer noch die, in der Schlacht von Hattin 1187, verlorene Stellung im Heiligen Land zurück zu bekommen. Mit seiner den Arabern zugetanen Politik, der zeitlich begrenzten Übergabe Jerusalems und einem Waffenstillstand, hatte Friedrich sich mit Sicherheit nicht mehr Freunde gemacht. Vor allem der in Akkon verweilende Patriarch von Jerusalem war dem Kaiser von vornherein negativ gestimmt, was im März 1229, sogar zu einem bewaffneten Konflikt zwischen beiden führte. Beendet wurde dieser erst durch das Eintreffen Verbündeter des Kaisers, die mit der Nachricht vom Einfall päpstlicher Truppen im Königreich Sizilien, Friedrich dazu bewegten, das Heilige Land zu verlassen. Nach der Einrichtung einer neuen Regierungsstruktur machte sich der Kaiser somit auf den Rückweg und verließ das Heilige Land.
Heiliges Römisches Reich unter den Staufern; Mitte 12. Jahrhundert
Nach Kämpfen gegen die Truppen des Papstes, erlangte der Kaiser, unterstützt durch die deutschen Fürsten und Hermann von Salza, Großmeister des Deutschen Ordens, im Jahre 1230 Absolution. Trotz der Einbußen gegenüber der Kirchenpolitik in Sizilien, verabschiedete Friedrich II. im August 1231 die Konstitutionen von Melfi. Diese Anordnungen sollten das Königreich Sizilien weiterhin zu einem zentralistischen Staat wenden und dessen Strukturen stärken.
Als sich der Kaiser wieder Oberitalien zuwenden wollte, kam es zu Auseinandersetzungen mit seinem Sohn Heinrich (VII.), der als deutscher König gegen die Fürsten regierte und somit Probleme in seiner Position bekam. Die Situation zwischen Vater und Sohn spitzte sich nach Belehrungen Friedrichs an seinen Sohn so weit zu, dass Heinrich sich mit den lombardischen Städten verbündete und somit nun auch politisch gegen seinen Vater vorging. Nach dem Friedrich sich 1235 militärisch dieser Situation angenommen hatte, gelang es ihm seinen Sohn gefangen zu nehmen, worauf dieser wenige Jahre später starb. Noch im gleichen Jahr kam es zur Aussöhnung mit den Welfen auf dem Mainzer Hoftag, auf dem der Mainzer Reichslandfrieden, auch auf Deutsch, veröffentlicht wurde.
Ein weiterer Feldzug nach Oberitalien startete 1237, der für Friedrich auch gut zu enden schien, bis zu dem Punkt, an dem er einen Frieden mit Mailand ablehnte. Dies führte folglich zu einer erneuten Bannung durch Papst Gregor IX. im Jahre 1239, was den Endkampf zwischen Kaiser und Papst einleiten sollte.
Friedrich antwortete auf den erneuten Bann mit der Rüstung neuer Truppen, sowie der Einschränkung der Kirchenpolitik im Königreich Sizilien. Dies erreichte er unter anderem, in dem er die Bettelorden, die dem Papst wohlgesinnt waren, vertrieb. Der Einsatz von Propaganda ging auf beiden Seiten so weit, dass Friedrich bei seinen Anhängern als Erlöser dargestellt wurde und der Papst den Kaiser als Vorstufe des Antichristen betitelte. Schon bald verleibte Friedrich die Mark Ancona und das Herzogtum Spoleto seinem Reich ein und marschierte anschließend gen Rom. Der Papst indessen hatte ein Konzil einberufen, vermutlich mit der Absicht Friedrich als Kaiser abzusetzen. Während der Kaiser die Belagerung von Rom in Angriff nahm, wurden über 100 Konzilteilnehmer abgefangen, so dass das Konzil letztendlich nicht stattfinden konnte. Hinzu kam, dass Gregor IX. kurz darauf starb. Die gab der Kirche jedoch Raum zum Atmen, da sich der Kaiser daraufhin zurückzog, um die Wahl eines neuen Papstes abzuwarten. Nach der sehr kurzen Amtszeit des Nachfolgers Gregors, wurde Innozenz IV. Papst, mit dem die Verhandlungen anfangs in positivem Licht standen, allerdings an den Ambitionen beider in Oberitalien scheiterten.
Kurz darauf, floh der Papst nach Lyon, wo er für 1245 ein Konzil einberief. Der Kaiser erlangte zwar Absolution unter der Versprechung der Räumung des Kirchenstaates, eines erneuten Kreuzzuges und weiteren Forderungen, was vermutlich auch nur dazu diente, ihm selbst Zeit zu verschaffen. Kurze Zeit darauf wurde die Absolution jedoch widerrufen, da sich im Kirchenstaat weitere militärische Aktionen zugetragen hatten und Friedrich wurde am 17. Juli 1245 als Kaiser abgesetzt, worauf die Wahl der Gegenkönige Heinrich Raspe von Thüringen (1246) und Wilhelm von Holland (1247) durch die deutschen Fürsten durchgeführt wurde. An der staufischen Machtposition änderte sich dadurch jedoch kaum etwas. Nach dem Friedrich weitere Gebiete als Reichslehen einzog, marschierte er nach Lyon um seine Position vor dem Konzil zu vertreten. Bei Parma erlitt er jedoch eine Niederlage und starb kurz darauf, nach Erhaltung der Absolution durch einen befreundeten Erzbischof, am 13. Dezember 1250 in Castel Fiorentino durch eine Krankheit.

Was Friedrich II. zusätzlich zu seinen Leistungen in seinem Leben so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er Kultur sehr hoch schätzte und auch für Fremdes sehr offen war. So entwickelte sich im Laufe seines Lebens ein kulturreiches Leben an seinem Hof, von dem durchaus ausgegangen werden kann, dass er selbst dafür verantwortlich war. Er sammelte Dichter, Künstler und Gelehrte um sich. Das höfische Leben trug daher auch maßgeblich zur italienischen Dichtungssprache bei und
sogar dem Kaiser und auch einigen seiner Söhne wird zugesprochen, dass sie selbst, teilweise sogar auf Latein, gedichtet haben und Sonette verfassten.
Auch die Architektur dürfte durch in seiner Herrschaft entstandenen Werke, wie beispielsweise dem Castel del Monte oder dem Brückentor von Capua, stark beeinflusst worden sein. Seine Liebe zur Antike dürfte wohl in von ihm eingeführten Münzen ebenso, wie auch bei von ihm beauftragten nachgebauten Skulpturen nachzuweisen sein.
005Darüber hinaus besaß Friedrich selbst wohl auch umfassende wissenschaftliche Kenntnisse, wovon unter anderem das sogenannte „Falkenbuch" („De arte venandi cum avibus") zeugt. In diesem Werk beschreibt er nicht nur die Falkenjagd, sondern stützt sich sogleich auf seine eigenen Beobachtungen, gewiss die traditionellen Ansichten vernachlässigend. Obwohl sein Schwerpunkt wohl eher auf den exakten Wissenschaften wie Mathematik, Astronomie oder der Chemie lag, soll es doch auch Schriften mit philosophischem und theologischem Hintergrund gegeben haben, die sogar an arabische Wissenschaftler gewandt waren. Hinzu kamen auch zahlreiche Übersetzungen aus dem Griechischen und Arabischen, zu denen auch Werke des Aristoteles zählen sollen.

Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass Friedrich II. wohl einer der interessantesten Herrscher der Geschichte war. Neben seinem beeindruckendem Aufstieg zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, seiner cleveren Politik, den militärischen Erfolgen, seinem nicht enden wollenden Zwist mit dem Papsttum und zu guter Letzt seiner Vorliebe für Kultur und Wissenschaft, ist er sowohl sehr vielseitig, als auch mit Sicherheit in seiner Zeit außerordentlich. Dennoch sollte er auch immer als Kind seiner Zeit gesehen werden, das mit Sicherheit nicht in allen Bereichen so tolerant war, wie es scheint oder auch teilweise veraltete wissenschaftliche Theorien unterstützte. Doch die Allgemeinheit dieser Dinge hat ihn zu dem gemacht, was er war, dem Staunen der Welt – stupor mundi.

Literaturliste

Lexikon des Mittelalters. Band 4, 933-938.
Stürner. Friedrich II.. Band 1 & 2.

 

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