The Operational Art of War III – Mehr als nur ein kommerzielle CoSim?

Der aufmerksame Leser wird sich sicherlich noch an die von mir aufgezählten Punkte in meinem ersten Artikel über TOAW III, „Hunderte von Artikeln, AARs, Blogs" und „Versierte und gleichzeitig komplexe Analysen der Spielmechanik und Einsatz als Simulation beim Offizierstraining von verschiedenen Streitkräften" erinnern können. In diesem Artikel gehe ich bei beiden Punkten ein wenig mehr ins Detail.

Einsatz von CoSim beim Militär

Den meisten von uns ist sicherlich bekannt, dass die Militärs für die Ausbildung oder zur Weiterbildung Simulationen jeglicher Art und Verwendungszweck für ihre verschiedenen Teilstreitkräfte, zur Offiziersschulung oder Weiterbildung, zur Ausbildung von Bild1Führungspersonal, auf taktischer und operationeller Ebene, usw. einsetzen. Bei den eingesetzten Simulationen handelt es sich in den meisten Fällen um Programme oder ganze Simulationsnetzwerke die von der Rüstungsindustrie gemäß den Spezifikationen der Streitkräfte erstellt und zur Verfügung gestellt werden. Wer aber hätte gedacht, das vereinzelt mehr und mehr kommerzielle Simulationen und CoSim zu den oben genannten Punkten zum Einsatz kommen? Wenn wir ehrlich sind hätten die wenigsten von uns daran gedacht, das Titel wie Steel Panthers III und auch TOAW III tatsächlich auch von Führungs- oder Militärakademien von Streitkräften zum Einsatz kommen. Dies war oder ist sogar noch der Fall; mehr dazu gleich in Kürze. Die wohl bekannteste Simulation die eigens für das Militär entwickelt wurde, und die man kurze Zeit später als „abgespeckte" Version für den „zivilen" Gebrauch erwerben konnte ist TacOps (http://en.wikipedia.org/wiki/TacOps) und später auch BCT (http://en.wikipedia.org/wiki/BCT_Commander).

Bild2

Was aber hat dies mit TOAW III direkt zu tun? Beide Programme, sowohl BCT Commander als auch TacOps4 beschäftigen sich mit militärischen Situationen und Problemlösungen im taktischen und nicht operationellen Rahmen. Wo und vor allem wie wird TOAW III für die Aus- und Weiterbildung von militärischen Führern verwendet? Eine dieser Institutionen wäre beispielsweise das Swedish National Defence College (Försvarshögskolan).
In den Publikation, „Gaming the Game - A Study of the Gamer Mode in Educational Wargaming" (http://sag.sagepub.com/content/43/1/118) und „Unexpected game calculations in educational wargaming: Design flaw or beneficial to learning?" (http://www.digra.org/wp-content/uploads/digital-library/11310.31521.pdf) von Anders Frank erfährt man eine Menge Informationen wie, warum, wieso und überhaupt eine kommerziell verfügbare CoSim wie TOAW III dort zum Einsatz kommt.

Bild3Schwedische Offiziersanwärter beim Spielen von „The Operational Art of War", während eine Videokamera die Interaktion aufzeichnet.


AAR – After Action Report/After Action Review

Per Definition ist ein AAR (After Action Report oder After Action Review), und da beziehe ich mich auf den Wikipedia Beitrag der leider nur auf Englisch vorhanden (http://en.wikipedia.org/wiki/After_action_report) ist, eine Form einer retrospektiven Analyse auf eine gegebene Folge von bisher unternommen zielorientierten Maßnahmen. Die beiden Hauptformen solcher Tätigkeitsberichte sind der literarische AAR, für Freizeitzwecke bestimmt ist, und der analytische AAR, der Teil eines Prozesses zur Leistungsbewertung und Verbesserung ist. Einer der ersten AAR wurde übrigens von Julius Caesar in seinem Werk „Kommentare über den gallischen Krieg" erstellt! Weitere zeitgenössische Beispiele gibt es viele, u.a. in den Memoiren von Militärpersönlichkeiten oder in Briefen.


Analytische AARs habe drei zentrale Ziele:

1.) Das Identifizieren von Problemen und deren Abstellung oder der Verbesserung
2.) Vorschlag von Maßnahmen um problematischen Elementen entgegenwirken zu können
3.) Die Lehren und Schlussfolgerungen auf das Erlebte oder Erfahrene zu ziehen


Was die Struktur eines AAR betrifft so werden generell, auch bei TOAW III AAR, folgende Punkte miteinbezogen:

- Überblick über die Lage oder das Problem
- Aufgaben und Ziele
- Die Analyse der Ergebnisse
- Eine Analyse der bei kritischen Aufgaben gezeigten Performance
 - Zusammenfassung


In diesem Zusammenhang möchte ich, oder muss ich sogar, auf weitere Publikationen zum Thema AAR, CoSim und deren Einsatz bei der Aus- und Weiterbildung von Militärpersonal und auch als Thema von militärhistorischen Artikeln und Studien verweisen.
Zum einen eine Dissertation zum Thema „Der Schlieffen Plan"
(http://web.archive.org/web/20060916092029)
(http://www-static.cc.gatech.edu/~mpalekar/WWI-2006.htm)
(http://old.inta.gatech.edu/academic-programs/courses/syllabi/pdf/fall2006/INTA%204803-%20Mike%20Salomone.pdf), zum anderen auf einen AAR von Stefan Kristensen (http://www.matrixgames.com/forums/tm.asp?m=3382922) , der bei seinem Szenario, Operation Neva-Leningrad '44 (http://www.the-strategist.net/RD/scenarii/the-operational-art-of-war-scenario-818-Operation-Neva-Leningrad-1944) im Detail sich mit den Kampfhandlungen einer einzelnen Division, der 12.Pz.Div. und nicht dem ganzen Geschehen widmet. Leider gibt es zu viele (und sehr gute!) AAR um diese hier im Detail zu erörtern oder auch nur an der Oberfläche anzukratzen.

 

Schlussfolgerung

The Operational Art of War III, aber auch andere Programme, sind nicht nur Spiele oder Simulationen für den Hobbyisten sondern kommen auch, und im besonderen Maße, bei Führungs- und Militärakademien, Universitäten anderen Lehranstalten zum Einsatz. Die mit Hilfe von kommerziellen CoSim erstellten AAR sind meiner Meinung nach nicht nur eine reine „Spielerei" sondern ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel zum Verständnis von Problemsituationen und deren Lösung; auch wenn dies auf einem „virtuellem Schlachtfeld" passiert.

 

 

 

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